Zwischen den Gipfeln

SPAZIERGANGGESELLSCHAFT BERLINER BERGE
Über die Rixdorfer Höhe auf den Kreuzberg

Sa. 28.04. 2018, 12 Uhr

Start: PremArts, Oppelner Str. 34, 10997 Berlin

Tour

Basislager in der Senke; Vom Urstromtal kommend, zur Görlitzer Auen- und Hügellandschaft. Kanäle geschnitten in die Natur und Blick auf bequeme Touristen. Das Dreiländereck, mit weiter Sicht, aber ohne zeitgleichen Standpunkt in derselben. Dichte Urbanität, viele Sprachen und die ideale Passage führen uns schnell zum bekannten Zaza Steig. Hasen, Sonnenanbeter und Fliegenfischer vergnügen sich in der Heide. Am Fuße die Trümmerfrauen Berlins, oben erwartet uns die Rixdorfer Höhe – den ferner Blick sucht der Wanderer hier vergeblich. Umgebend von fahrenden Gauklern und Bewohnern in kleinen Hütten. Im Talbecken die Schwimmende Universität, Tomatenkulturen und Wissen aus Regenwasser. Vor dem Gipfelsturm eine Rast in der Berghütte, ein beliebter Ort für alle Wandersleut. Dann Wasserkaskaden und Geschichten: auf dem Kreuzberg eine feierliche Zeremonie. Hinab durch Täler voller Infrastruktur, geschwind zum Endpunkt in schöner Landen.

Berliner Berge

Die Spaziergangsgesellschaft wurde von Jan Lindenberg und Niklas Fanelsa im Oktober 2014 gegründet. Das Ziel ist die gemeinschaftliche Erkundung von topografischen Besonderheiten im Berliner Stadtgebiet. Zu diesem Zweck und zur Dokumentation aller Berliner Berge, Hügel und Höhenzüge haben wir mit einer Reihe von sonntäglichen Spaziergängen und Gipfelbesteigungen begonnen.

Gestartet haben wir mit dem Teufelsberg, der damals höchsten Erhebung im Stadtgebiet und erklimmen in der Folge Monat für Monat den jeweils nächst niedrigeren Höhenzug, so dass die Leichtigkeit unserer Besteigungen langsam aber kontinuierlich zunimmt…

 

Der alpine Blick

Berlin ist nicht gerade als eine Stadt der Berge bekannt, obwohl die Namen mancher Bezirke wie Kreuzberg, Prenzlauer Berg oder auch Lichtenberg durchaus eine gewisse Prägung des Stadtgebietes mit Höhenzügen vermuten lassen. Wer sich allerdings mit Bus, Auto oder U-Bahn durch das Stadtgebiet bewegt, dem erscheint die Stadt meist als “platt wie eine Flunder”, und lediglich als Fahrradfahrer kann es passieren, dass man an einer Ansteigung in einem der oben genannten Bezirke kurzzeitig ins schwitzen kommt.

Eine alte Postkarte der “Berliner Schweiz“ nun – zufällig in einem Online-Shop für historische Dokumente entdeckt – öffnete unsere Augen für einen gewissermaßen alpinen Blick auf die Stadt: Berge, so erkannten wir, sind nicht nur physikalisch geformt und aufgebaut (aber dazu später mehr) sonder sind vielmehr und vor allem auch soziale und kulturelle “Konstrukte“. Ein “Berg” kann gleichsam überall dort sein, wo ein Berge gesehen oder etwas als Berg verstanden wird. Und auch ein Gebirge ist demnach nicht (nur) von den Kräften der Natur geformt, sondern immer auch Ergebnis einer kommunikativen Aktes – wie auch diese Postkarte zeigt.

Das Berliner Urstromtal

Betrachtet man die topografische Lage Berlins genauer, so fällt besonders eine diagonale Senke auf, die das Stadtgebiet vom Südosten nach Nordwesten hin durchquert und von der Spree durchflossen wird. Eine nordöstliche und eine südwestlichen Hochebene (Barnim und Teltow) fassen diese Senke ein, die auch als “Berliner Urstromtal“ bekannt ist. Die Betrachtung und Beschäftigung mit dieser Reliefkarte weckte in uns eine starke Neugier und Abenteuerlust, dieses von allen Straßenzügen und bebauten Flächen befreite, und rein topografische Terra Incognita zu erkunden und besser zu begreifen. Wie wirkt sich in unsere mehr und mehr digitalisierten und virtualisierten Alltagswelt eine solche, in eigentlichen Sinne des Wortes grundlegende Konstante auf das Leben in der Stadt praktisch aus?

Berliner Höhenzüge und Kriegs-End-Moränen

In Folge des 2. Weltkriegs und der zu beseitigenden Schuttmassen kam es besonders in den Zentrumsnahen Bereichen zu der Errichtung einer Vielzahl von Trümmerhaufen unterschiedlichster Größe. Neben diesen künstlichen Bergen ist das Stadtgebiet besonders an seinen Randlagen durch eine Reihe von natürlichen Höhenzügen geprägt, die ihrer Natur nach meist Dünen oder eiszeitliche Moränen darstellen. In jüngster Zeit wurde das Berliner Gebirge zudem noch um einige “Müllberge” bereichert: aktive und ehemalige Deponien, die ausnahmslos an äußersten Stadtrand gelegen sind.

 

Volkstreiben auf dem Kreuzberg 1886, Otto Piltz

 

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